Der Neandertaler - Historische Personen
Porträt des Johann Carl Fuhlrott (1803 – 1877)
Johann Carl Fuhlrott (1803-1877) hatte nach Studienjahren in Bonn 1835 seine naturgeschichtliche Doktorarbeit an der Universität Tübingen eingereicht. Zu dieser Zeit war er bereits als Lehrer in Elberfeld tätig. Er verfasste zahlreiche Veröffentlichungen zu verschiedenen Gebieten der Naturforschung. Seine Publikation über die Entdeckung des Neandertaler-Fundes geriet für ihn zum einschneidenden Ereignis: Die These, dass es sich hierbei um einen fossilen Menschen handelt, brachte ihm heftige Kritik aus der Fachwelt und Anfeindungen aus seinem gesellschaftlichen Umfeld ein. Fuhlrott bemühte sich Zeit seines Lebens, die Vorgänge die zur Einbettung des Skelettes in die Höhle geführt hatten, zu erklären und so zu einer Altersansprache des Fundes zu gelangen. Die Bestätigung seiner Theorie durch die Neandertalerfunde aus dem belgischen Spy im Jahr 1886 sollte er nicht mehr erleben.
The teacher and naturalist Johann Carl Fuhlrott (1803-1877) was known for his interest in fossils. A few weeks after the discovery of the Neanderthal skeleton he visited the quarry owner and received the bones as a gift. Later he identified the bones as the remains of a primitive human being. Fuhlrott searched for evidence for the old age of the Neanderthal until his death, without success.
Foto von Charles Robert Darwin (1809 – 1882)Charles Robert Darwin (1809-1882) veränderte wie kein anderer Forscher vor ihm die Sichtweise von der natürlichen Entwicklung der Lebewesen und den hierfür verantwortlichen Ursachen. Wesentliche Einsichten erlangte er durch seine fünfjährige Weltreise mit dem Forschungsschiff „Beagle" in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Dennoch wagte er es erst 1859 sein berühmtes Werk über die Entstehung der Arten zu veröffentlichen. Zwar erwähnte er hierin den Menschen nur mit dem Satz „Licht wird fallen auf den Menschen und seine Geschichte", doch riefen seine Thesen in breiten Kreisen der Gesellschaft heftigen Widerspruch hervor. Noch dramatischer entwickelte sich die Situation nach der Veröffentlichung seines Buches über die Abstammung des Menschen im Jahr 1871, woraufhin ihn nicht wenige Zeitgenossen als Ketzer bezeichneten. Vor dem Hintergrund dieser Schriften rückte der 1856 im Neandertal entdeckte Urmenschenfund in den Fokus der Diskussion um die Vorfahren des Menschen und geriet nicht wieder in Vergessenheit wie frühere derartige Funde.
Zeichnung von Hermann Schaaffhausen (1816 – 1893)Hermann Schaaffhausen (1816-1893) lehrte als Anatom an der Bonner Universität und führte parallel hierzu archäologische Forschungen durch. Er gilt als Begründer der Paläoanthropologie in Deutschland. Ausweislich seiner Veröffentlichungen war er dem Evolutionsgedanken zugeneigt; so darf es als Glücksfall gelten, dass er die anatomische Bearbeitung des Neandertalers übernahm. In den Jahrzehnten nach der Entdeckung verteidigte er gemeinsam mit Fuhlrott die These, dass der Fund einer urtümlichen Menschenform angehörte. Schaaffhausen ordnete auch die Neandertaler-Reste von Gibraltar, La Naulette, Sipka und Spy folgerichtig zu.
Durch Schaaffhausens Vermittlung konnte nach Fuhlrotts Tod der Neandertaler durch den Vorgänger des Rheinischen Landesmuseums Bonn angekauft werden.
Luckily, the progressive, internationally working researcher and anatomist Hermann Schaaffhausen from Bonn (1816-1893) was also able to examine the 16 skeletal elements. Three years before the discovery of the Neanderthal he had published a script with the title "On the constancy and transformation of species". He was thinking along the same lines as Charles Darwin. After Fuhlrott's death, he arranged for the transfer of the skeleton to the predecessor of the Rheinisches Landesmuseum in Bonn in order to prevent it from being sold to abroad.
Zu Ehren dieses großen Gelehrten richtet das Rheinische LandesMuseum alljährlich am 19. Juli, dem Geburtstag Schaaffhausens, den "Schaaffhausen-Vortrag" aus. Als Referenten werden Personen eingeladen, die besondere Verdienste um die Fachbereiche Paläoanthropologie / Archäologie des Eiszeitalters erworben haben.
Foto von Rudolf Virchow (1821 – 1902)Rudolf Virchow (1821-1902) forschte und lehrte als Mediziner in Berlin. Der Begründer der „Cellularpathologie" gilt als einer der größten Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Virchow erklärte im Gegensatz zu Fuhlrott und Schaaffhausen die morphologischen Abweichungen des Neandertalerskelettes vom Knochenbau heutiger Menschen als krankhafte Veränderungen. Auch nach der Entdeckung der Neandertaler von Spy im Jahr 1886 sprach er sich mit aller Autorität gegen die Anerkennung als urtümliche Menschenform aus. An dieser Meinung hielt er bis zu seinem Lebensende fest und blockierte mit seiner Autorität den Fortgang der Neandertalerforschung in Deutschland.
The most founded scientific opposition to the fossil nature of the find came from the pathologist Rudolf Virchow from Berlin. He diagnosed the morphological deviations from the skeleton of modern humans on the skeleton from the Kleine Feldhofer Grotte as pathological.
He insisted on his views until his death in 1902 and regularly heavily attacked scholars that represented a different opinion.